Gute Chancen für Seilbahn-Dauererlebnis über dem Rhein

Kommunales

Sie war unbestritten der Star der Bundesgartenschau 2011 Koblenz, selbst SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigte sich bei seinem Besuch vor exakt einem Jahr hellauf begeistert von der Ingenieurleistung und dem Ausblick aus der Seilbahn. Nach zwei weiteren Jahren sollte im Oktober 2013 eigentlich Schluss sein. Doch ein breites Bündnis im Koblenzer Stadtrat mit Oberbürgermeister Hofmann-Göttig an der Spitze, kämpft für einen längeren Betrieb.

Der Oberbürgermeister berichtete im Stadtrat, dass er mit der Betreiberfirma Doppelmayr im Gespräch sei und die Vorarlberger durchaus Interesse an einem weiteren Betrieb über das Jahr 2013 hinaus haben. In einem ersten Schritt soll eine weitere Betriebsgenehmigung bis 2015 eingeholt werden.
Im Stadtrat selbst gab es eigentlich in Sachen Seilbahn nur zwei Formalien: die Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan, um zumindest die baurechtlichen Voraussetzungen für einen Dauerbetrieb der Anlage zu schaffen. Doch dann nutzte der Oberbürgermeister die Gunst der Stunde, Grundsätzliches zu sagen. Denn es ist nach wie vor offen, ob es jemals zu einem Dauerbetrieb kommen wird. Joachim Hofmann-Göttig machte deutlich, dass der Stadt harte Verhandlungen mit den nationalen und internationalen Denkmalschutzgremien bevorstehen. An der Betreibergesellschaft dürfte ein Betrieb der Anlage über das Jahr 2015 hinaus übrigens nicht scheitern. Sie hatte signalisiert, sich sogar längerfristig binden zu wollen.
Stein des Anstoßes dürfte nicht die Seilbahn selbst, sondern die Talstation sein. Die liegt aus Sicht der Denkmalpflege viel zu nahe an der Basilika St. Kastor, in der bekanntlich deutsche und europäische Geschichte geschrieben worden ist. Völlig unkalkulierbar ist derzeit die Haltung des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos), der sich wohl noch 2013 mit der Seilbahn befassen wird. Von diesem Gremium hängt die Entscheidung der Unesco ab.
Heißt die Antwort Nein, droht dem Mittelrheintal der Verlust des Welterbestatus - wenn die Stadt die Entscheidung ignoriert und einfach weiter macht. Die Verlängerung bis 2015 empfiehlt sich daher aus Sicht der Stadt als Kompromiss, mit dem auch Denkmalschutz und -pflege leben könnte. Vorerst. Dagegen steht bereits fest, dass der Abbau der Seilbahn für die Festung Ehrenbreitstein einer Katastrophe gleichkäme. Wurden dort vor der Inbetriebnahme der Seilbahn jährlich rund 100 000 Besucher gezählt, wird sich die Zahl allein im laufenden Jahr 2012 mindestens vervierfachen. Das steht bereits fest, obwohl eindeutige Zahlen naturgemäß erst nach dem Ende der Saison vorgelegt werden können. Nicht nur für den Oberbürgermeister ist es deshalb erforderlich, die Seilbahn noch stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Er kündigt Gespräche mit der Kirchengemeinde und auch eine Bürgerbefragung an. Dies alles soll dazu beitragen, die Identifikation der Koblenzer mit "ihrer" Seilbahn zu verstärken. Das könnte vielleicht Auswirkungen auf die Haltung eines Gremiums beeinflussen, dass nach intensiver Debatte auch grünes Licht für den Bau der neuen Mittelrheinbrücke bei St. Goar gegeben hat.

Christian Altmeier

 
 

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